Fairphone B.V. produziert Mobiltelefone unter fairen Bedingungen

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Die Gesellschaft Fairphone B.V. entwickelte das Fairphone. Das Gerät wird unter fairen Bedingungen erstellt, um Bürgerkriege und andere Missstände zu reduzieren.

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Die nach niederländischem Recht gegründete Gesellschaft Fairphone B.V. hat ihren Sitz in Amsterdam. Das Unternehmen mit beschränkter Haftung wurde von Bas van Abel entwickelt, welcher zur Waag Society gehört. Das Unternehmen plant, das Telefon Fairphone unter äußerst fairen Bedingungen zu schaffen. Um die fairen Bedingungen noch besser umsetzen zu können ist es geplant, dass Mineralien wie zum Beispiel Coltan, mithilfe welcher die Schaltkreise eines mobilen Telefons produziert werden, aus Minen stammen, welche nicht dazu dienen einen Bürgerkrieg zu finanzieren. Herstellerbetriebe in der Mobilfunkbranche wie Foxconn stehen im Moment aufgrund ihrer schlechten Arbeitsbedingungen in der Kritik. Außerdem wird ein Großteil der zur Erstellung eines Mobiltelefons erforderlichen Metalle wie beispielsweise Zinn, Kobalt oder Coltan in Minen gewonnen, welche von sogenannten Warlords kontrolliert werden. Die Warlords finanzieren mit den Einnahmen der abgebauten Metalle Bürgerkriege und Armeen. Damit die Finanzierung der Warlords verhindert wird, muss eine transparente Lieferkette vorliegen, um die Rohstoffe und ihren Ursprung feststellen zu können. Im Moment ist es jedoch leider kaum möglich, die Herkunft der Metalle genauer zu analysieren.

Das Unternehmen Fairphone B.V. im Überblick

Die Kampagne des Unternehmens ist zweieinhalb Jahre mit Erfolg durchgeführt worden und ebnete die Basis zur Gründung des Unternehmens Fairphone im Januar 2013. Die Fairphone B.V. beschäftigt sieben Mitarbeiter, die meist in Amsterdam arbeiten. Die Außenstelle des Unternehmens befindet sich in London und profitiert dort von nützlichen Verbindungen zu einigen gemeinnützigen Organisationen. Eines der Ziele von Fairphone ist es, die oben genannten Probleme im Rahmen der Herstellung eines Mobiltelefons an die Öffentlichkeit zu bewegen. Die Produktion des Fairphones soll demnach darauf abzielen die Industrie zum Denken zu bewegen und die Missstände zu beheben sowie die Minen weniger auszubeuten. Das Unternehmen ist sich bewusst, dass es aktuell (im Jahr 2014) nicht in der Lage ist, ein Telefon aus Rohstoffen mit dem Aspekt von Fairtrade erzeugen kann. Deshalb ist es das Unternehmensziel die Produktion des Mobiltelefons mit sehr vielen fairen Produktionsmaßnahmen zu erzielen. Das Fairphone wird bei einem Auftragsfertiger aus China produziert. Das Unternehmen bietet ein in den Niederlanden mögliches Rücknahmesystem an. Zudem unterstützt die Fairphone B.V. das Projekt Closing the Loop, welches dafür sorgt, dass elektronischer Schrott aus Afrika nach Europa zurückgebracht wird, um dort ordnungsgemäß verwertet zu werden.

Ein detaillierter Blick auf die Produktionsbedingungen und die Lieferkette

Das Fairphone zielt darauf ab, ohne die Schädigung der Umwelt und die Ausbeutung von Menschen hergestellt zu werden. Hierbei werden unterschiedliche Aspekte berücksichtigt wie das Vorhandensein von günstigen Reparaturmöglichkeiten, eine lange Haltbarkeit und eine sich daraus ergebende Müllvermeidung, die lange Wartung, die Fähigkeit der Dual-SIM sowie ein Recycling-Programm. Das Unternehmen kauft konfliktfreie Rohstoffe wie Zinn und Tantal, welche aus geprüften Minen aus armen Gebieten stammen und deshalb keine Unterstützung für Minen aus Industrieländern ermöglichen. Auch die Zusammenarbeit mit dem Auftragsfertiger aus China erfolgt unter fairen Produktionsbedingungen.

Die Umsetzung der Ziele des Unternehmens Fairphone B.V.

Damit die genannten Ziele erreicht werden, pflegen die Entwickler eine Zusammenarbeit mit verschiedenen NPOs und haben zusätzlich die Zinnmine im Kongo persönlich besucht, um ein eigenes Bild von den Arbeitsbedingungen erhalten zu können. Der Plan des Unternehmens ist es in nicht allzu ferner Zukunft die Zulieferer dazu zu bewegen ebenfalls faire Arbeitsbedingungen zu gewähren. Auch der Verzicht auf einige Mineralien soll zukünftig komplett umgesetzt werden. Die Fairphone B.V. fördert zudem Projekte zur Entwicklungshilfe im Kongo wie die "Conflict-Free Tin Initiative". Auch andere bekannte Mobiltelefonhersteller wie Nokia, Motorola, Blackberry oder HP sind an der gleichen Initiative beteiligt. Fairphone unterstützt zudem das durch Motorola ins Leben gerufene Projekt "Solutions for Hope", welches darauf abzielt die Nutzung des Minerals Tantal zu vermeiden. Auch andere bekannte Hersteller von elektronischen Produkten beteiligen sich aktuell an diesem Projekt. Am 10. Dezember 2013 hat das Unternehmen genaue Informationen zu den vorliegenden Arbeitsbedingungen innerhalb der Fabrik publiziert. Hierbei wurde gezeigt, dass die in China üblichen Minimumstandards wie zum Beispiel der chinesische Mindestlohn oder eine 60 Stunden Arbeitswoche gewährt werden. Durch die Kooperation mit Changhong möchte Fairphone die Langzeitziele des eigenen Unternehmens durchsetzen. Die genaue Umsetzung der Ziele und der Zeitraum in welchem diese umgesetzt werden sollen ist bislang unklar. In einer normalen chinesischen Fabrik, welche üblicherweise den Markt von China beliefert, findet die Endmontage des Fairphones statt. Zukünftig wird darauf abgezielt die komplette Produktionskette offen zu legen. Im Moment werden auf der Webseite von Fairphone die zwei Rohstoffe Tantal und Zinn detaillierter erwähnt.

Die erste Edition des Fairphones (FP1, 2013)

Die erste Generation des Fairphones ist eine Art Lizenzmodell ohne bemerkenswerte Eigenentwicklung. Das bereits vorinstallierte Betriebssystem ist ein optimiertes Android. Der Zugriff als Root ist deshalb gut möglich. Vorteilhaft ist, dass das Fairphone mit zwei SIM-Karten genutzt werden kann. Das Mobiltelefon besitzt zudem zwei Kameras sowie einen Flashspeicher von 16 GB. Das Fairphone FP1 konnte ab vom 14. Mai 2013 ab für einen Preis von 325 Euro bestellt werden. Am 4. Juni 2013 erreichten die Vorbestellungen die Zahl 5000, woraufhin Fairphone ankündigte, insgesamt 20000 Fairphones herzustellen. Bereits am 5. September 2013 erhöhte das Unternehmen die Planung auf 25000 Geräte, welche am 13. November 2013 bereits ausverkauft gemeldet wurden. Eigentlich ist die Auslieferung für den Oktober 2013 geplant gewesen, jedoch musste im September der Auslieferungstermin aufgrund von einer Produktionsverzögern umgeplant werden. Die Auslieferung des Fairphones fand zwischen Ende Dezember 2013 und Ende Januar 2014 statt.

Technische Daten
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Kapazitiver Sensorbildschirmmit TFT-Anzeige

Größe: 10,9 cm (4,3 Zoll)

Auflösung: qHD (960×540 Pixel), 256 ppi

Digitalkamera 8 MP
Frontkamera 1,3 MP
AktuellesBetriebssystem Android 4.2.2 Jelly Bean mit spezifischen Erweiterungen (Fairphone OS)
Prozessor Version 2013 (FP1): MediaTek6589M Quad Core 1,2 GHz (ARMv7-A/Cortex A-7 MPCore), GPU PowerVR SGX544 156 MHz
Version 2014 (FP1U): MediaTek 6589 Quad Core 1,2 GHz (ARMv7-A/Cortex A-7 MPCore), GPU PowerVR SGX544 286 MHz
RAM 1 GB
Interner Speicher 16 GB

SAR-Wert

0,318 W/kg

Konnektivität

Mobilfunknetze

GSM/GPRS/EDGE
850/900/1800/1900 MHz
UMTS/WCDMA 900/2100 MHz
HSPA (bis zu 21,1 MBit/s)

Weitere Funkverbindungen

WLAN 802.11b/g/n, Bluetooth v2.1 + EDR / v3.0 + HS 

Akkumulator
Typ Lithium-Ionen,
7,4 Wh (2000 mAh)
Wechselbar Ja
Abmessungen und Gewicht
Maße   ( H×B×T ) 126 mm × 63,5 mm × 10 mm
Gewicht 170 g
Besonderheiten
  • Faire Bezahlung der Arbeiter (in Planung)
  • einige Rohstoffe garantiert nicht aus Kriegsgebieten
  • Weder Kopfhörer noch Ladegerät im Basislieferumfang enthalten
  • Dual SIM
  • Root-Zugriff
  • Bildschirm aus Dragontrail-Glas

Die zweite Serie des Fairphones der ersten Edition (FP1U, 2014)

Im Mai 2014 war es bereits möglich Mobiltelefone der nachfolgenden Serie zu einem Preis von genau 310 Euro vorzubestellen. Die zweite Serie wurde mit exakt 35000 Geräten produziert. Insgesamt 23000 Geräte wurden vorbestellt und befanden sich von Juli bis September 2014 in der Auslieferung. Ab dem Monat September lagen zum ersten Mal Geräte auf dem Lager und konnten deshalb bereits kurz nach der Bestellung geliefert werden. Die letzten Geräte der zweiten Serie wurden im Februar 2015 verkauft und im Anschluss ausgeliefert.

Die zweite Edition des Fairphones

Bereits im Oktober 2014 wurde von Fairphone angekündigt die nächste Generation von Fairphones nicht als Lizenzmodell herzustellen, sondern in Eigeninitiative zu erzeugen. Hierdurch sollte der Einfluss auf die Produktionsbedingungen, die genutzten Materialien sowie die Lieferanten erhöht werden. Das Fairphone wurde bereits zum 16. Juni 2015 angekündigt und soll schließlich im Herbst des Jahres 2015 auslieferbar sein.

Die Bestellung und anschließende Auslieferung des Fairphones

Seit etwa Mitte Juli 2015 können Interessierte das Fairphone 2 zu einem Preis von 437,50 Euro plus Versand und Mehrwertsteuer bestellen. Die Belastung des Betrags erfolgt für Personen die in der EU wohnhaft sind mit der Bestellung. Die Auslieferung des Fairphones 2 ist für den November 2015 angekündigt worden.

Die technischen Daten von Fairphone 2

Wie auch das Vorgängermodell verfügt das Fairphone 2 über die Möglichkeit der Dual-SIM. Der Full HD-LCD-Bildschirm erfreut mit 5". Außerdem beinhaltet das Mobiltelefon den Qualcomm Quad-Core-Prozessor, Bluetooth, Wi-Fi, 4G LTE, Android™ 5.1 sowie Lollipop.

Die erste Edition des Fairphones und deren Langlebigkeit

Die Erstellung des Fairphones FP1U und FP1 zielte darauf ab, ein besonders nachhaltiges und langlebiges Smartphone zu schaffen, welches mindestens drei Jahre Updates für die Software erhält. Leider wurden diese Ziele nicht erreicht. Das Update des Systems Android 4.2.2, welches auch Jelly Bean genannt wird, auf KitKat (Android 4.4) ist in nächster Zukunft unmöglich, da der Hersteller des Prozessors Mediatek die Quelltexte von den nötigen Treibern nicht publizieren möchte. Hierdurch wird verhindert, dass es zu einer Entwicklung von alternativen und neuen Betriebssystemen für das Fairphone kommt. Bis in etwa Juli 2015 sollen die Fehler im Softwarestand jedoch behoben werden. Zudem wird versucht alle Sicherheitsupdates bis zum Ende des Jahres 2016 zu liefern.

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Der Vertrieb des Fairphones

Über den Webshop des Unternehmens Fairphone B.V. kann der Vertrieb innerhalb Europas erfolgen. Fairphone kündigte im Oktober 2013 an, die zweite Edition des Fairphones ab 2016 für Märkte außerhalb Europas anzubieten. Der Mobilfunkanbieter KPN, aus den Niederlanden, kaufte bereits 1000 Stück des FP1 und bietet dieses in Kombination mit einem Mobilfunkvertrag an.

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