Chatten am Arbeitsplatz: Privat im Netz surft - Arbeitsrecht - Kündigung

von Keller, Julia veröffentlicht

Chatten am Arbeitsplatz: Privat im Netz surft - Arbeitsrecht - Kündigung

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Chatten am Arbeitsplatz: Privat im Netz surft - Arbeitsrecht - Kündigung

Mal schnell privat am Arbeitsplatz chatten. Wer erwischt wird, riskiert eine fristlose Kündigung. Doch was ist erlaubt bzw. verboten? Hier ein paar Informationen.

Kündigung wegen privater Internetnutzung am Arbeitsplatz

In seinem neusten Urteil vom 12.01.2016 beschäftigt sich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) mit der Problematik des "privat chatten am Arbeitsplatz" durch Arbeitnehmer. Konkret folgte einem solchen Handeln eine "Kündigung" durch Arbeitgeberseite.

Risiko Kündigung: beim privat chatten am Arbeitsplatz

Arbeitnehmern ist es grundsätzlich untersagt am Arbeitsplatz privat zu chatten. Eine Ausnahme liegt dann vor, wenn der Arbeitgeber eine private Internetnutzung auf der betrieblichen Infrastruktur erlaubt hat.

"Privat chatten am Arbeitsplatz": es gilt eine Einzelfallentscheidung

Im genannten Rechtsstreit ging es um eine eindeutige Handlung durch den Arbeitnehmer. Von Seiten des Arbeitgebers lag ein spezifisches Verbot für das private Nutzen von betrieblicher Infrastruktur vor. Trotzdem nutze ein Arbeitnehmer das firmeninterne Nachrichtensystem. Dies wurde von Arbeitgeberseite nachgewiesen. Dafür erhielt der Arbeitnehmer eine Kündigung. Grund: das vorhandene betriebliche Internet dient ausschließlich der Kundenkommunikation.

Privat chatten am Arbeitsplatz: nicht jede Kündigung ist rechtswirksam

In der Rechtsprechung gilt es einen Ausgleich zu schaffen für Verhältnismäßigkeit, zwischen den Beteiligten und dem Wahren der Persönlichkeitsrechte. So darf ein Arbeitgeber keine privaten Inhalte von E-Mails, Briefen, etc. kontrollieren. Ausnahme hierbei bildet ein konkreter Verdacht einer Straftat. Allerdings dürfen Anwenderprotokolle von Arbeitgeberseite kontrolliert werden. Im konkreten Fall entdeckte der Arbeitgeber einen Verstoß und sprach die Kündigung aus. Eine Klage des Arbeitnehmers auf Wahren der Persönlichkeitsrechte wies das Gericht ab. Grund war ein vorliegendes striktes Verbot aller persönlichen Informationen im betriebsinternen System. Nach ARAG-Experten handelt es sich hier um einen Sonderfall. Der Arbeitnehmer hat nachweislich mit seiner Verlobten langfristig gechattet. Bei einer kurzen Information an die Verlobte wäre die Entscheidung sicherlich anders ausgefallen. Doch wer ganz sicher sein will, sollte privat und betrieblich strikt trennen.

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