Strand-Webcams: Privatsphäre, Persönlichkeitsrechte - Kunsturheberrechtsgesetz

von Lange, Vanessa veröffentlicht

Strand-Webcams: Privatsphäre, Persönlichkeitsrechte - Kunsturheberrechtsgesetz

© Strand-Webcams - Alexander Hauptmann

Strand-Webcams: Privatsphäre, Persönlichkeitsrechte - Kunsturheberrechtsgesetz

Webcams am Strand können empfindlich die Privatsphäre stören. Doch in wie weit verletzen sie die Persönlichkeitsrechte und beeinträchtigen das Kunsturheberrechtsgesetz

Webcams am Strand - Privatsphäre nicht gewährleistet

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Webcams finden sich heute an vielen Orten und manchmal auch da, wo man sich nicht so gerne sieht. So sorgen die kleinen Webcams jetzt gerade am Strand für eine große Unzufriedenheit der Badegäste. Dabei geht es nicht nur darum, dass diese Geräte einen beim Baden beobachten, sondern zum Teil so hochauflösend sind, dass sie auch Details aus dem Strandkorb erfassen können.

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Die Webcams an den Stränden dieser Welt erfüllen natürlich einen Zweck. Sie sollen das jeweilige Badeparadies auf der ganzen Welt über das Netz schmackhaft machen. In Echtzeit kann man hier verfolgen, welches Wetter gerade vorherrscht und erhält einen ersten Eindruck von der Stimmung. Nicht schlecht, wenn man neue Touristen anlocken will. Doch vor Ort sieht die Sache ganz anders aus. Viele Badegäste ärgern sich sehr darüber, dass diese Webcams am Strand sie beim Baden beobachten können. So ist es kein Wunder, dass sich der Ärger häuft - wird doch die empfindliche Privatsphäre massiv gestört. Ein besonderer Fall hierzu ereignete sich in Ostfriesland am Norddeich. Hier beschwerte sich ein Badegast erst jüngst, dass eine Webcam so positioniert sei, dass sie sogar Aufnahmen aus dem inneren der Strandkörbe machen könne. Doch welches Recht, hat der Badende an einem öffentlichen Strand überhaupt auf Privatsphäre? Haben derartige Beschwerden überhaupt eine Aussicht auf Erfolg? Der Medienanwalt Christian Solmecke aus Köln weiss hierzu Rat.

Verstoß gegen Persönlichkeitsrechte und Kunsturheberrechtsgesetz

So gibt Solmecke zu bedenken, dass auch an öffentlichen Stränden der deutsche Datenschutz, nicht außer Kraft gesetzt ist. Somit könnten die Webcams hier bereits eine erhebliche Verletzung dieses Rechtes darstellen. Allerdings spiele hier auch das Kunsturheberrechtsgesetz eine Rolle. Denn Webcams zeichnen das Material nicht einfach nur auf, sondern übertragen dieses direkt in das Internet. Somit würden die Bilder öffentlich verbreitet, was aber im Vorfeld immer einer Erlaubnis des abgebildeten bedarf. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Bilder so hochauflösend sind, dass man eine oder mehrere Personen deutlich erkennen kann. In diesem Fall sei das Übertragen des Materials der Webcams in keiner Weise gestattet. Allerdings gibt Solmecke auch zu bedenken, das es am Strand genauso wenig möglich sei eine Einwilligung von jeder Person zu erhalten, wie dies in anderen öffentlichen Bereichen der Fall ist.

Ausnahmen

Allerdings sind die rechtlichen Zusammenhänge dann doch etwas komplexer. Laut dem Kunsturheberrechtsgesetz können Aufnahmen dieser Art auch ohne Einwilligung veröffentlicht werden. Selbst wenn eine Person bis ins kleinste Detail zu erkennen ist, besteht also nicht immer das Recht auf Widerspruch. Sollen die Webcams nämlich eigentlich die Landschaft erfassen, so sind die Personen auf dem Material nur als Beiwerk zu betrachten. Dies ist immer dann der Fall, wenn das aufgezeichnete Material auch dann noch den selben Effekt erzielen würde, wenn keine Personen auf dem Bild zusehen wären, führt Solmecke weiter aus. Sollen die Webcams also eher die Örtlichkeit aufzeichnen - was in der Regel auch ihr eigentlicher Zweck ist - so ist keine Einwilligung erforderlich.

Interpretationsfrage

Allerdings gibt es auch hier Spielraum für rechtliche Interpretationen. Sind die Webcams zum Beispiel so angebracht, dass die Personen anstatt die Landschaft in den Fokus treten, dann gelten wieder die Persönlichkeitsrechte. Das Gleiche ist auch dann der Fall, wenn die Kamera etwa bewegt oder mit ihr gezoomt werden kann.

Rechte bleiben gewahrt

Allerdings selbst dann, wenn man bereits im String-Tanga oder gar nackt gefilmt worden ist, muss man sich nicht wirklich Gedanken machen. Zulässig ist das Senden des Materials der Webcams nämlich nur dann, wenn kein berechtigtes Interesse seitens der gefilmten besteht. Die Aufnahmen vom Strand werden in der Regel aber sofort ins Internet gestreamt. Damit können sie auf der ganzen Welt von jedermann abgerufen werden. Somit sein ein berechtigtes Interesse der am Strand gefilmten schon von Natur gegeben, erläutert Solmecke. In einem solchen Fall müssen die Persönlichkeitsrechte unter allen Umständen gewahrt werden.

Eigenschaften der Webcams entscheidend

Da jeder das Recht hat, sich im öffentlichen Raum - zudem auch der Strand gehört - so bewegen, dass er nicht von einem weltweiten Publikum betrachtet werden kann, muss dieses Recht durch die Bauart der jeweiligen Webcam gewährleistet werden. Somit sei nach der Ansicht von Solmecke, eine Webcam, welche in der Lage ist hochauflösendes Material zu erfassen und dazu auch noch zu zoomen, im öffentlichen Raum nicht gestattet. Diese würden die Privatsphäre tatsächlich massive gefährden. Eine Webcam, die lediglich touristischen Zwecken dient, kann hingegen bedenkenlos betrieben werden.

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