Großer Schritt - Abschaffung der Roaming-Gebühren in der EU

von Hauptmann, Alexander veröffentlicht

Großer Schritt - Abschaffung der Roaming-Gebühren in der EU

© Vodafone

Großer Schritt - Abschaffung der Roaming-Gebühren in der EU

Nun ist es geschehen. Die Abschaffung der Roaming-Gebühren in der EU ist beschlossene Sache. Doch ist alles wirklich so, wie es scheint, oder muss man doch noch zahlen?

Neuer Beschluss der EU - Roaming-Gebühren werden 2017 abgeschafft

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Es dauerte 12 Stunden, bis das Europaparlament sich geeinigt hatte. Doch dann ging die frohe Kunde an alle Smartphonenutzer in Europa. Mit Beschluss zum 15. Juni 2017, wurde durch Beschluss der EU, die Abschaffung der Roaming-Gebühren in die Wege geleitet. Somit fallen in keiner Weise mehr zusätzliche Kosten an, wenn man im Ausland die deutsche SIM-Karte nutzt. Dabei wurde den Betreibern die Verpflichtung abgenommen, die Roaming-Gebühren innerhalb der EU, bereits im kommenden Jahr drastisch zu senken.

Die Abschaffung des Horrors

Niemand wird die Horrorgeschichten je vergessen, die von Urlaubern erzählt wurden, nachdem sie sich im Ausland aufhielten. Da macht man einen schnellen Anruf nach Hause oder stellt eine Datenverbindung her, und schon kommt eine astronomische Rechnung auf einen zu. Dabei traf der Fluch der Roaming-Gebühren auch prominente Persönlichkeiten. So sollte einst der Chefredakteur der Bild, Kai Diekman, nach einem Aufenthalt in Marokko, die stolze Summe von 42.000 Euro bezahlen. Solche immensen Summen sind natürlich nur die Ausnahme, aber dennoch haben die Roaming-Gebühren in der Vergangenheit immer wieder für Unmut und Verärgerung gesorgt. Das Hauptproblem besteht darin, dass diese zusätzlichen Kosten, die eigentlichen Gebühren für das Gespräch, weit übersteigen. So sah man sich seitens der EU bereits gezwungen, eine Obergrenze für die Einwahlgebühren festzulegen. Doch zufriedenstellend war dies nicht, und so blieb eine Lösung bis heute offen. Nun, nach viel Hin und Her in allen Gremien, konnte man sich endlich für eine Abschaffung entscheiden. Allerdings nur zum größten Teil.

Vieltelefonierer bleiben außen vor

Die Abschaffung der Roaming-Gebühren in der EU ist ein großer Schritt. Allerdings ist es wie immer, wenn es um Verordnungen der EU geht, mit der Umsetzung kann es schon schwierig werden. Grundsätzlich gilt: Ab dem 15. Juni 2017 gibt es keine Roaming-Gebühren mehr. Allerdings haben die Netzbetreiber bis zu einem gewissen Maß die Freiheit bekommen, bei sehr vielen Telefonaten oder Verbindungen aus dem Ausland, geringe Gebühren zu erheben. Dabei sagt die neue Regelung aber nichts darüber aus, welches Limit den nun gesetzt ist, bevor der Rubel wieder rollt. Die lettische Regierung hatte hierzu einen Vorschlag, der aber nicht wirklich praxistauglich ist. So soll es ein Tarifpaket geben, das 50 Telefonminuten, 50 SMS und 100 MB Datenvolumen umfasst. Allerdings sind diese Grenzwerte so gering bemessen, dass sie bereits heute nicht mehr ausreichen - geschweige denn, in zwei Jahren. Somiterzeugt die Abschaffung der Roaming-Gebühren doch noch einige Probleme.

Vorbeugung von Missbrauch

Offiziell wird dieses Vorgehen damit gerechtfertigt, dass man Missbrauch nach der Abschaffung der Roaming-Gebühren in der EU vermeiden möchte. Dieser stellt sich nämlich dadurch dar, dass manche Nutzer sich einfach SIM-Karten aus dem Ausland bestellen könnten. Hier sind die Tarife manchmal um einiges günstiger als in Deutschland. Nach der Abschaffung der Roaming-Gebühren könnte man diese also permanent auch in Deutschland verwenden. Dies zeigt eindeutig, dass eine Öffnung des Binnenmarktes in der EU, anscheinend nicht erwünscht ist. Allerdings muss die EU-Kommission hier noch genauer Verhandeln, bevor eine eindeutige Entscheidung getroffen werden kann. Fakt ist, dass die Roaming-Gebühren 2016 um ein beträchtliches Maß sinken werden. So soll eine SMS nur noch 2 Cent zusätzlich kosten. Für Anrufe oder ein Datenvolumen von einem MB, werden dann 5 Cent fällig. Allerdings kann auch die Reduzierung immer noch sehr teuer werden. Wer zum Beispiel über 1 GB Datenvolumen verfügt und dieses im Ausland voll ausnutzt, müsste immerhin noch 50 Euro extra bezahlen.

Entscheidung über die Netzneutralität

Nach dem Beschluss zur Abschaffung der Roaming-Gebühren in der EU, konnte man sich auch bei Netzneutralität einigen. Von nun an ist es den jeweiligen Netzbetreibern nämlich untersagt, die Bandbreite in Abhängigkeit vom Nutzungsverhalten zu manipulieren. Dabei spiele es keine Rolle, ob der User sich ein Video anschaue oder seine Mails abrufe. Eine Drosselung oder gar eine komplette Sperrung der Verbindung darf nun nicht mehr erfolgen. Allerdings ist hiervon zum Beispiel der Auto-Notruf eCall ausgeschlossen. Dieser soll 2018 eingeführt werden. Auch definitive Cyberangriffe können weiterhin unterbunden werden. Die Zero-Rating-Dienste, wie etwa die WhatsApp-Flat von E-Plus oder das Spotify-Angebot der Telekom, sind ebenfalls ausgenommen. Somit darf also für einzelne Anwendungen immer noch ein spezifisches Datenvolumen festgelegt werden, sofern dies die anderen Dienste nicht beeinträchtigt. Bei der Abschaffung der Roaming-Gebühren muss allerdings noch deutlich nach gebessert werden. Wenn schon kostenlos, dann aber wirklich. Die EU und die zuständigen Ausschüsse in den Ländern werden sich in den nächsten Monaten wohl noch genauer mit dieser Thematik und einer adäquaten Lösung beschäftigen müssen.

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