Amazon Streik 2015 - Ver.di - Neue Streikwelle bei Online-Versender

von Hauptmann, Alexander veröffentlicht

Amazon Streik 2015 - Ver.di  - Neue Streikwelle bei Online-Versender

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Amazon Streik 2015 - Ver.di - Neue Streikwelle bei Online-Versender

Ver.di ruft die Amazon-Mitarbeiter zum Streik 2015 auf und fordert vom Online-Versender einen Tarifvertrag nach den rechtlichen Vorgaben des Einzel- und Versandhandels.

Streik 2015: Die aktuelle Entwicklung

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Seit Montag, dem 22. Juni 2015, ruht die Arbeit an den nordrhein-westfälischen Amazon-Standorten Werne und Rheinberg, im hessischen Bad Hersfeld, im sächsischen Leipzig und im bayerischen Graben – am Mittwoch schloss sich auch die von einer Schließung bedrohte Konzerntochter Amazon Prime Instant Video Germany in Elmshorn dem Streik 2015 an. Ein entscheidender Auslöser war die willkürliche Entscheidung seitens Amazon, in Leipzig die Urlaubstage von 29 auf 28 Tagen zu kürzen – laut Tarifvertrag für den Einzel- und Versandhandel stünden der Belegschaft 30 Tage zu.

Ver.di: Streik als probates Mittel auf dem Weg zu mehr Fairness

Für diesen Tarifvertrag kämpft die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di im Verbund mit den deutschlandweit rund 10.000 Amazon-Beschäftigten schon seit Mai 2013. Verlangt werden „verlässliche und gute Arbeitsbedingungen“ sowie eine Abkehr der „Willkür eines Arbeitgebers“, betont Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Gewerkschaftschef Frank Bsirske spricht von einem „fundamentalen Konflikt“, da Amazon eine exponierte Rolle im Versandhandel einnehme und eine Einigung in diesem Tarifstreit grundlegende Auswirkungen zugunsten der Arbeitnehmer auf die gesamte Branche hätte – der Online-Versender sieht sich jedoch als Logistiker und zeigt sich wenig kooperativ.

Trotz Streik: Amazon bleibt unbeeindruckt

Amazon hält am US-amerikanischen Geschäftsmodell fest und lehnt trotz Streik eine tarifliche Anerkennung der Gewerkschaft als Verhandlungspartner vehement ab: Es brauche keinen Tarifvertrag, um ein fairer Arbeitgeber zu sein. Der Brutto-Einstiegslohn betrage durchschnittlich 10,09 Euro pro Stunde und erhöhe sich nach zwei Jahren auf 12,69 Euro – zuzüglich Sonderleistungen könnten Angestellte so bereits im zweiten Jahr monatlich 2.300 Euro verdienen. Amazon verwies auf die diesjährige Neuschaffung von 1.200 unbefristeten Stellen und machte deutlich, dass sich die Bezahlung am oberen Ende der Logistikbranche orientiere.

Big Brother: Der Online-Versender und seine zweifelhaften Geschäftspraktiken

Amazon steht ohnehin schwer in der Kritik: Überwachung, Kontrolle und Leistungsdruck stünden auf der Tagesordnung. So bekam der Online-Versender in diesem Jahr den Big Brother Award verliehen – der Vorwurf: Gemäß Arbeitsvertrag dürfen sensible Gesundheitsdaten der Amazon-Mitarbeiter an den US-Mutterkonzern übermittelt und ärztliche Untersuchungen ohne geltende Schweigepflicht jederzeit angeordnet werden. Stefan Najda, Ver.di-Gewerkschaftssekretär im Fachbereich Handel, sieht eine gravierende Missachtung der Daten- und Persönlichkeitsrechte und fordert die zuständigen Datenschutzbehörden zum sofortigen Handeln auf.

Amazon-Zukunftspläne: Zustellung von Kunden für Kunden?

Laut Bsirske versuche Amazon, durch den Zugriff auf ausländische Lagerbestände und den Einsatz von befristeten Arbeitskräften den Streik 2015 möglichst schadlos zu überdauern. Nebenbei plant der Online-Versender ein weiteres Ausweichmanöver: Einem Bericht im Wall Street Journal zufolge sollen diesmal die Kosten bei den gewerblichen Paketdiensten reduziert werden. Das Vorhaben nennt sich „On My Way“, arbeitet mit einer mobilen App und fußt auf der Idee, Privatpersonen als Zusteller und Kuriere zu gewinnen und mit einem kleinen Entgelt zu entschädigen. Ver.di reagiert vorerst gelassen, für Deutschland sei das US-Projekt „bisher nicht maßgeblich“.

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